Mitglied der Kreishandwerkerschaft Hellweg
Geschichte

Über 100 Jahre Bäckerei Altebahne – Hildebrand - Stricker, eine Chronik

Vielen Dank dem Verfasser unserer Chronik:" Bäckerei Altebahne – Hildebrand – Stricker 1898-1998", Albrecht Kiese, Ortsheimatpfleger und 1. Vorsitzender des Heimatvereins Hemmerde, für seine Unterstützung

Friedrich Altebahne, der am 13.05.1870 in Müllingsen, Kreis Soest, geboren wurde, legte am 04.12.1887 seine Gesellenprüfung als Bäcker ab. Um neue Backmethoden zu erlernen und um seine Fertigkeiten zu erweitern, zog es ihn, wie es zu der Zeit üblich war, auf Wanderschaft, die mit der Ablegung der Meisterprüfung endete. Das Jahr 1898 war für den jungen Bäckermeister von großer Bedeutung. Bevor er am 12. Mai in Sölde Lina Floer heiratete, kaufte er sich die Besitzung in der jetzigen Kühlstraße in Hemmerde, die er zu einer Bäckerei ausbaute. Am 17. Mai machte er sich dann als Bäckermeister selbständig.


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In der kleinen Backstube wurde hauptsächlich Brot gebacken, für die Bauern meistens im Lohnverfahren. Konditoreierzeugnisse waren in der Zeit nicht sonderlich gefragt. Im Hausgeschäft wurde verkauft.

Um die immer zahlreicher werdende Kundschaft in den umliegenden Dörfern auch beliefern zu können, zog der junge Meister einmal pro Woche mit dem Handwagen durch die Gemeinden Westhemmerde, Stockum und Siddinghausen. Spezialitäten waren sein Bauernbrot, Zwieback, Butterkuchen und später dann der Schneckenkuchen.

Im Jahr 1903 ließ sich Friedrich Altebahne einen Brotwagen aus Holz bauen, der von dem Nachbarn, Schmiedemeister Viebahn, beschlagen wurde. Mit Pferd und Wagen konnte er nun bedeutend schneller und mit einer größeren Palette seiner Erzeugnisse zu seiner Außenkundschaft gelangen.


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1912 plante der agile Bäckermeister einen neuen Backofen, der auch behördlicherseits nach einigen Änderungen genehmigt wurde. Zur Ausführung und zum Bau kam es jedoch nicht. Der erste Weltkrieg brach aus und Friedrich Altebahne wurde zum Wehrdienst einberufen. Während des Krieges wurde das Hausgeschäft von Ehefrau Lina aufrechterhalten. Nach Ende des Krieges und nach der gesunden Rückkehr des Meisters wurde die Außenkundschaft in den angrenzenden Dörfern wieder beliefert. Sohn Walter, geb. am 14.02.1913 interessierte sich schon frühzeitig für das Bäckerhandwerk, und so absolvierte er nach seiner Schulentlassung im elterlichen Betrieb die Bäckerlehre. Geplant war das er den Elterlichen Betrieb übernehmen sollte, doch dann kam der zweite Weltkrieg und Walter wurde zur Wehrmach einberufen. Er fiel in Stalingrad.

Luise (Lies) Altebahne, geb. am 12.01.1908, die älteste Tochter heiratete am 05.02.1948 den am 24.04.1912 in Hemmerde geborenen Bäckermeister Karl Hildebrand. Dieser hatte am 20.07.1939 seine Meisterprüfung vor dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Dortmund abgelegt und bestanden.

Der Vater, mittlerweile 78 Jahre alt, übergab nun den Betrieb den jungen Eheleuten. Er konnte gewiss sein, dass Tochter und Schwiegersohn das begonnene Lebenswerk erfolgreich fortführen würden. Noch im Jahre 1948 wurde ein neuer Dampfeinschießbackofen, der mit Holz und Brikett gefeuert wurde, gebaut. Die Backstube wurde erweitert und gründlich renoviert.


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Bis Anfang der 50er Jahre wurde das Brot mit Pferd und Wagen zur Kundschaft gefahren. Das sollte sich bald ändern. Der Kauf eines Lieferwagens wurde beschlossen. Welch Errungenschaft. Ein DKW-Kombi.

Der Bedarf und die Nachfrage der Kundschaft nach einem erweiterten Sortiment, nicht nur von Brot, sondern auch von Torten und Sahneteilchen, welche gekühlt, gezeigt und angeboten werden sollten, machte es u.a. erforderlich, einen vergrößerten Verkaufsraum zu planen. Mit der Ausführung wurde das Bauunternehmen Alois Bieling aus Hemmerde beauftragt. Anfang 1955 wurde der erste Spatenstich zum Bau eines neuen Ladenlokals, nach den Entwürfen von Architekt Brunne, getan und Mitte des Jahres wurde er seiner Bestimmung übergeben.

Da die Ehe von Karl und Lies Hildebrand kinderlos geblieben war, wurde Marie Luise Hüsing, geb. am 31.10.1938, Enkelin des Firmengründers Friedrich Altebahne, erst stundenweise und ab 1963 voll in den Bäckereibetrieb eingebunden.

Am 25.09.1962 heiratete sie Bäckermeister Adolf Stricker, geb. am 15.07.1933 aus Flerke bei Welver Kreis Soest, der bereits seit 1960 im Betrieb tätig war. Adolf Stricker hatte nach einer gründlichen Ausbildung in Bochum und nach Beschäftigungen in verschiedenen Bäckereien des Ruhrgebietes und des Sauerlandes sich ein umfangreiches Wissen und handwerkliches Geschick zugelegt. Vor dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Arnsberg legte er am 15.12.1960, nach dem Besuch des Meisterlehrgangs der ersten deutschen Bäckerfachschule in Olpe, seine Meisterprüfung für das Bäckerhandwerk ab.


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Bis Ende des Jahres 1980, fast 32 Jahre, führten Bäckermeister Karl Hildebrand und seine Frau Lies die Bäckerei. Am 01.01.1981 übernahmen Adolf und Marie-Luise Stricker die Leitung des Betriebes.

Durch die Sprunghaft angewachsene Einwohnerzahl des Ortsteils Hemmerde vergrößerte sich auch der zu beliefernde Kundenkreis. Dies ließ die jungen Geschäftsleute nicht ruhen. Der alte im Jahr 1948 gekaufte Backofen wurde durch einen Leistungsfähigeren und nach modernsten technischen Gesichtspunkten geschaffenen Backofen ersetzt.

Im Jahr 1988 begann der jüngste Sohn von Adolf und Marie-Luise Stricker, Dirk Stricker, geb. am 08.05.1972, eine Bäckerlehre bei der Stadtbäckerei  Bernhard Muhr, seines Zeichens Obermeister der Bäckerinnung Unna, und legte im Juli 1991 die Gesellenprüfung erfolgreich ab. Beim anschließenden Leistungswettbewerb der Handwerkskammer Dortmund sicherte er sich den ersten Platz und somit die Teilnahme am Landeswettbewerb, bei dem er einen erfolgreichen dritten Platz belegte. Am 27.06.1994 legte Dirk Stricker  nach dem Besuch der ersten deutschen Bäckerschule Olpe vor dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Arnsberg seine Meisterprüfung sehr erfolgreich ab.

Nach gründlicher Renovierung übernahm Dirk Stricker im Januar 1996 die Firma von seinen Eltern und leitet seitdem erfolgreich den Betrieb. Im September 1997 wurden eine moderne Mehlsiloanlage und eine Brötchenanlage angeschafft um Produktionsspitzen abzufangen. Seit 1996 ist Dirk Stricker im Vorstand der Bäckerinnung Unna tätig, und seit 1997 bekleidet er das Amt der Lehrlingswartes und des Prüfungsausschussvorsitzenden der Bäckerinnung Unna.


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Seit Anfang 1998 wurde das große 100jährige Jubiläum vorbereitet, welches am 16. Mai 1998 mit Kunden und Mitarbeitern bei Kuchen, Getränken und Musik gefeiert wurde. Sechs Wochen später verstarb Adolf Stricker, der seinem Sohn immer noch hilfreich zur Seite gestanden hatte nach kurzer schwerer Krankheit.


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Im August 2000 wurde ein neues Lieferfahrzeug angeschafft, um Lieferungen besser ausführen zu können.
Dieses erlitt bei einem schweren Verkehrsunfall, im Oktober 2006, einen Totalschaden und wurde im Februar 2007 durch ein neues Fahrzeug ersetzt.

Im Juli 2008 verstarb Marie-Luise Stricker, die immer noch mit ihrem Rat und Wissen dem Betrieb zur Seite stand.


"Ich danke allen meinen Vorgängern - sei es mein Urgroßvater, mein Großonkel und meine Großtante aber auch meine Eltern. Sie alle haben durch ihr Tun und Ihr Wesen, jeder auf seine ganz besondere Art, dazu beigetragen, dass unser Betrieb heute das ist was er ist."

Dirk Stricker